Tarifvertrag diakonie ausbildung

Die Arbeitgeber des österreichischen Sozialdienstes bildeten zwei wichtige Organisationen. 1995 wurde die “Bundesarbeitsgemeinschaft Freie Wohlfahrt” (BAG) gegründet, um die fünf größten privaten Non-Profit-Anbieter als Lobbyorganisation zu vertreten, aber nicht, um Tarifverhandlungen zu führen. Vor dem Hintergrund des zunehmenden öffentlichen Auftragswesens und der Auslagerung durch die Regionalregierungen wollten die Arbeitgeber gegenüber politischen Akteuren eine eigene “Stimme” aufbauen (Interviews 05 und 13). Anfang der 90er Jahre hatten weitere Verhandlungen über die Gründung eines eigenständigen Arbeitgeberverbandes mit dem ausdrücklichen Ziel der Aushandlung eines nationalen branchenweiten Tarifvertrags begonnen. Nach langwierigen Verhandlungen (siehe Abschnitt 4.2) gründeten schließlich 1997 fünf Anbieterorganisationen die “Berufsvereinigung von Arbeitgebern für Gesundheits- und Sozialberufe” (BAGS). Einige große Anbieter wie das Rote Kreuz und kirchliche Organisationen haben sich jedoch nicht angeschlossen. Der prominenteste Streik in den vergangenen fünf Jahren war ein Streik der Krankenhausärzte, den der Marburger Bund (MB) 2006 (DE0607019I) organisierte. Im selben Jahr streikten Tausende von Krankenschwestern in kommunalen Krankenhäusern in mehreren Regionen, um Forderungen der Arbeitgeber nach einer Verlängerung der Wochenarbeitszeit (DE0605019I) entgegenzuwirken. Zu den Krankenschwestern gesellten sich Kollegen an Universitätskliniken, die im Streit um einen neuen Tarifvertrag für beschäftigte Staatsbedienstete auf Landesebene (DE060629I) austraten. Seitdem sind Pflegekräfte erfolgreich an großen Warnstreiks sowohl auf Kommunal- als auch auf Landesebene beteiligt. Hinzu kommt, dass es immer mehr Streitigkeiten auf Unternehmensebene gibt. Ver.di war 2009 in mehr als 20 Tarifkonflikte für private Krankenhäuser, Pflegeheime, Kindertagesstätten und ähnliche Einrichtungen verwickelt.

Kollektive Akteure, die mächtige Positionen einnehmen und am meisten von den aktuellen Feldkonfigurationen profitieren, werden oft als “Etablierte” bezeichnet, und diejenigen, die weniger profitieren, sind “Herausforderer” (Fligstein 2001). Die Strukturierung und Umstrukturierung der Felder spiegelt somit die Machtverhältnisse zwischen den Agenten wider, die sowohl um die Verteilung bestimmter Kapitale (wie Gewinne und Löhne) als auch um die Definition der legitimsten Form der Macht in einem bestimmten Bereich (wie Wirtschaftsmacht, politische Macht) kämpfen. Letzteres ist ein Kampf um die symbolische Macht, ein Klassifizierungskampf (Swartz 2013, S. 58). Beispielsweise spiegeln das geltende Arbeitsrecht oder die Tarifverhandlungen historische Konflikte über die Arbeitsbedingungen und die Einkommensverteilung zwischen Kapital und Arbeit wider.

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